"radio aufdraht" - das konzept für ein gemeinnütziges lokalradio mit offenem zugang für die bürgerInnen
(verfasst april 1998)

 

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medienpolitische aspekte
medienpädagogik
bürgerbeteiligung
kulturelle und regionale aspekte
kulturförderung
wirtschaftliche und regionale aspekte
das geplante sendegebiet
  1. medienpolitische aspekte

wieda auffe

"radio aufdraht" bietet echte meinungsvielfalt.

radio ist für uns als massenmedium kommunikationsinstrument und nicht ware. die radiomacherInnen bringen information, unterhaltung, meinung an die hörerInnen. es liegt an den radiomacherInnen ihre hörerInnen soweit als möglich in den kommunikationsprozeß miteinzubeziehen und die möglichkeit zu bieten, daß hörerInnen zu produzentInnen werden (offener zugang zum medium).

diese relativierung des verhältnisses zwischen sender und empfänger ist weder in konzepten des öffentlich-rechtlichen noch des privaten – kommerziellen rundfunks zu finden.

"radio –aufdraht" – bietet medienpolitische weiterentwicklung

neben dem öffentlich – rechtlichen und dem privat – kommerziellen rundfunk ist international als dritter medienpolitischer faktor der privat-nicht-kommerzielle rundfunk etabliert. "radio aufdraht" orientiert sich in seiner konzeption an diesem privat-nicht-kommerziellen modell. "radio aufdraht" ist daher nicht als konkurrenz zu den anderen modellen sondern als ergänzung zu sehen.

der ORF mit seinem gesellschaftspolitischen auftrag ist eine institution von unbestrittener gesellschaftlicher wichtigkeit. ebenso können private radioanbieterInnen ein für den demokratischen alltag unerläßlicher teil einer medienöffentlichkeit sein. in den nach kommerziellen zielen orientierten privaten rundfunkstationen gilt jedoch als oberste prämisse die quote. möglichst viele hörerInnen gilt es zu erreichen und erst ab einer bestimmten anzahl von hörerInnen wird das radio (so wie jedes andere medium) finanziell interessant, da sich dann die werbeeinschaltungen zu rechnen beginnen. das redaktionelle programm dient als zielgruppenorientierte aufbereitung für die werbekunden. radio wird im kommerziellen bereich nicht mehr als kommunikationsinstrument sondern als ware gehandhabt.

"radio aufdraht" übernimmt als gemeinnütziges, nicht gewinnorientiertes radio funktionen, die von den beiden anderen modellen nicht übernommen werden (können).

dies bedeutet nicht, daß "radio aufdraht" ohne ökonomische überlegungen auskommt oder sich der bedeutung der ökonomie nicht bewußt wäre. medienpolitisch ist es jedoch wichtig, daß in der medienlandschaft auch ein rundfunk platz findet, dessen programmgestaltung nicht dem werbemarkt ausgeliefert ist, zumal die wirtschaftlichen voraussetzungen im lokalen bereich für ein rein marktwirtschaftliches überleben ohnedies fragwürdig sind.

"Die Abkopplung vom Werbemarkt ist aber auch deshalb sinnvoll, weil der lokale Werbemarkt ökonomisch wenig interessant ist und zum anderen kommerzielle Rundfunkanbieter Werbetreibenden (die regional und überregional agieren) mittels Kettenbildung und Synergie-Effekten (z.B. das gleiche Produkt wird von einem Sender und der bei diesem Sender beteiligten Zeitung beworben) wesentlich effizienter und billiger Werbezeit verkaufen können." (vgl. J. Dorer, Finanzierungsmodelle nicht-kommerzieller Runfunkanbieter in: Radiokultur von morgen,S.237)

medienpädagogik

wieda auffi

durch einen offenen zugang zum radio und speziell für kinder und jugendliche reservierte sendezeit ermöglichen wir die unterstützung der aktiven medienarbeit (vgl. erlaß zur medienerziehung, BMUK) in schulen und freizeitgruppen.

gemeinnütziges lokalradio hat daher einerseits einen kulturellen auftrag und ist andererseits ein medienpädagogisch und medienpolitisch wichtiges unterfangen. daraus leitet sich auch der auftrag ab, das know-how des radiomachens durch projekte und seminare in schul- und freizeitgruppen an interessierte weiterzugeben. 

mehr Bürgerbeteiligung

wieda auffi

"radio aufdraht" versucht als gemeinnützige radiostation nicht nur radio für hörerInnen sondern radio mit hörerInnen zu machen. dies bewirkt eine programmvielfalt ohne rücksicht auf den verkauf von sendezeit für werbekunden oder hörerInnenmaximimierung. selbstverständlich versucht auch eine gemeinnützige radiostation möglichst viele hörerInnen zu gewinnen. einschaltquoten sind jedoch nur für die vermarktung von werbezeiten wichtig. im nicht-kommerziellen bereich ist die aktive beteiligung der hörerInnen und die hörerInnenbindung wichtiger. hier geht vielfalt vor einschaltquote.

durch die aktive beteiligung erfahren die menschen die bedeutung des mediums als vernetzendes kommunikationsinstrument und den umgang mit massenmedien aus erster hand. das gemeinsame nutzen des mediums wirkt im lokalen bereich identitätsfördernd und volksbildend.

gemeinnütziges radio ist zielgruppenradio. da die macherInnen teil der zielgruppen sind, produzieren sie beiträge für menschen mit ähnlichen interessen. daher finden beispielsweise literatur- und musikmagazine platz neben berichten über lokale fußballturniere oder feuerwehrfeste.

Radio wird von uns als Kommunikationsmedium begriffen, das den BewohnerInnen der Region offen steht. Weit über das gesetzlich geregelte Recht zur Gegendarstellung hinaus, wollen wir den HörerInnen die Möglichkeit zur Artikulation ihrer Anliegen und zur Gegenstellungnahme bieten (Offener Kanal - "Stammtisch"). Der Gegensatz zwischen ProduzentInnen und KonsumentInnen soll durch die Einbindung der HörerInnen in den Produktionsprozeß möglichst aufgehoben werden.

Das Programm muß Platz für generationsübergreifende wie auch für bestimmte Altersgruppen konzipierte Sendungen bieten. Durch die Verbreiterung der Kommunikationsmöglichkeit, das Thematisieren und demokratische Diskutieren lokaler Probleme wird der Demokratisierungsprozeß vorangetrieben.

Wir wollen Nachbarschaftsradio machen. Das Radio soll durch die im Radio vorhandene Infrastruktur und Sendezeit für Einzelpersonen, Vereine, Institutionen, Gemeinden, Schulen und Freizeiteinrichtungen zum Treffpunkt und zur Plattform für lokale Initiativen werden.

(vgl. Lizenzantrag "radio aufdraht", Leitlinien)

3. kulturelle und regionale aspekte

wieda auffi

"radio aufdraht" bietet lokale identität

der geografische bereich "krems - unteres kamptal" stellt eine relativ geschlossene region dar, in der sich arbeit, einkauf, gewerbe-, freizeit- und kulturaktivitäten eines großteils der bevölkerung - abgesehen vom sog der hauptstadt wien - vorwiegend abspielen. die mit einer lokalen radiostation erreichbaren gemeinden zwischen krems und plank liegen an einer verkehrsachse und sind durch gemeinsame interessen, vor allem weinbau, fremdenverkehr und die anziehungskraft der alten kulturstadt krems, verbunden.

der mangel an arbeitsplätzen, die fortschreitende krise der landwirtschaft und die neu geschaffene landeshauptstadt, die eine weitere konzentration von investitionen außerhalb unserer angesprochenen region darstellt, stellen den bezirk "krems land" vor die notwendigkeit, neue strukturen zu entwickeln. regionales selbstbewußtsein, wirtschaftliches selbstvertrauen und kulturelle identität sind für den lebensraum gleichermaßen gefordert wie gefährdet, wenn wir im doppelten sog von bundes- und landeshauptstadt als vollwertiger arbeits- und lebensbereich bestehen bleiben und nicht zu einem reduziert werden wollen.

innerhalb eines überschaubaren lebensraumes sind andere kriterien entscheidend als auf einer landesweiten oder internationalen ebene. lokal ist fast jeder prominent und die bindung der hörerInnen an ihr lokales radio kann sehr persönlich sein. "radio aufdraht" eine radiostation, die zur nutzung offen steht, macht hörerInnen zu radiomacherInnen.

 

Fördermöglichkeiten für eine lokale Kultur

wieda auffi

"radio aufdraht" ist als teil der lokalen kultur zu sehen. hier geht es vor allem um die kultur des zusammenlebens und der verständigung. ein leicht zugänglicher lokaler sender schafft vertrauen zu den eigenen fähigkeiten der verständigung. wir wollen gemeinsamkeiten austauschen und verschiedenheiten begreifbar machen.

radio ist ein geeignetes medium, divergierende weltbilder in jeweils eigenen worten, im eigenen tonfall zu beschreiben.

"radio aufdraht" ist ein lautsprecher für stimmen, die sich gehör verschaffen wollen. es gilt, das ganze konzert von stimmen, so vollständig wie möglich, hörbar zu machen. dabei wird auch versucht, eine zwischen "volkskultur" und "hochkultur" vermittelnde ebene zu finden. wir wollen einer lokalen kultur auf einem niveau, das mit der "hochkultur" kommunizieren kann, das wort reden. gegen das gefühl der kolonialisierung das vertrauen des selbermachens setzen und fördern. den nachrichten und gerüchten aus dritter hand berichte aus erster hand entgegensetzen. es wird bei der vergabe von sendezeit daher besonders auf soziale und kulturelle minderheiten rücksicht genommen.

"radio aufdraht" soll mut machen und die artikulation von interessen fördern und transportieren.

"radio aufdraht" ist experimentelles radio. dies bedeutet, daß erfahrungen mit dem medium gemacht werden sollen und daß neue wege des radiomachens gefunden werden können/sollen.

"radio aufdraht" wird nicht nur veranstaltungen transportieren, sondern auch veranstalter sein. "radio aufdraht" wird so zur bühne auf der musiker, kabarettisten etc. heranwachsen können.

"radio aufdraht" geht davon aus, daß radiomachen nicht nur journalistInnen und pressespezialisten vorbehalten sein darf. radiomachen muß als artikulationsform allen bürgerInnen möglich sein und wird damit zu einem teil der lokalen kultur des zusammenlebens.

wieda auffe
4. Wirtschaftliche und regionale Aspekte

 

"radio aufdraht" bringt gesamtwirtschaftliche effekte

Festivals, Events und andere kulturelle Veranstaltungen stützen nachhaltig den regionalen Tourismus, erwirtschaften durchwegs positive Umwegrentabilitäten und sind daher so wie Sehenswürdigkeiten touristische Multiplikatoren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie , die von der Managementberatung Diebold im Auftrag des Wirtschaftsministeriums 1996 erstellt wurde. Vor allem in strukturschwachen Gebieten sind die regionalwirtschaftlichen Wirkungen, insbesondere für ortsansässige Kleinbetriebe im Gastgewerbe und im Handel beträchtlich. Jeder zweite Österreichgast ist kulturinteressiert, er tätigt um 50%-60% höhere Tages- und Einkaufsausgaben, als die sonstigen Urlaubsgäste.

Laut der oben erwähnten Studie liegt jenseits der Assoziationen Österreichs mit Mozart, den Lippizanern und dem Alpenbrauchtum die Chance bei vielfältigen kombinativen Angeboten: "radio aufdraht" erfüllt diese Forderung.

"radio aufdraht" fördert die lokale Wirtschaft

Durch besonderes Hervorheben der lokalen Betriebe soll die Wirtschaft unterstützt werden. Durch Informationen und Serviceangebote kann der sanfte Tourismus im Gebiet gefördert werden. (vgl. Lizenzantrag)

"radio aufdraht" beinhaltet in seinem Programmschema Sendezeit, die für Berichte über ansässige Betriebe genutzt werden kann. Es werden Neuansiedlungen, Entwicklungen und innovative wirtschaftliche Projekte vorgestellt und unterstützt. Dabei geht es nicht um Werbeeinschaltungen bzw. Werbegelder von jungen Unternehmen, sondern um die gesellschaftlich notwendige regionale Entwicklung (vgl. oben).

"radio aufdraht" fördert den modernen Weinbau

Durch die Mitarbeit lokaler Weinbauern und die Zusammenarbeit mit der Weinbauschule Krems und dem Rebschutzdienst werden neben aktuellen Informationen auch Sendungen speziell für die Weinbauern der Region möglich. Die geplanten Sendungen bieten sowohl Weiterbildung als auch aktuelle Informationen. Dies ist bereits im Programmschema unseres Lizenzantrages angeführt.

"radio aufdraht" fördert den sanften Tourismus

In Zusammenarbeit mit lokalen Tourismusvereinen und dem Kulturpark Kamptal werden Programme zur Förderung des sanften Tourismus erarbeitet und umgesetzt werden. Durch Servicesendungen werden die entsprechenden Angebote verbreitet. Durch die nationale (Verband Freier Radios) und internationale Vernetzung der Freien Radios (FERL, AMARC) ist über Programmaustausch auch eine Verbreitung sowohl in anderen Regionen Österreichs als auch im Ausland möglich.

Neben der Berichterstattung über Spezialitäten der Region plant "radio aufdraht" auch selbst spezielle Seminare und Workshops für TouristInnen anzubieten. Hier werden einerseits zusätzliche Freizeitangebote für TouristInnen geschaffen und anderseits belebt es den Seminartourismus und bringt somit Geld in die Region. Spezielle Angebote für Familien sind in Ausarbeitung. Bei der Entwicklung solcher Angebote ist die Erfahrung der im Vorstand tätigen Personen ein wichtiges Grundkapital.

"radio aufdraht" ist Veranstalter

Durch eigens von "radio aufdraht" organisierten Veranstaltungen wird die lokale Wirtschaft ebenso wie die Kulturszene profitieren. In Zusammenarbeit mit lokalen Kulturinitiativen, Vereinen, Gemeinden und Institutionen werden Seminare, Kulturveranstaltungen und medienpolitische Aktivitäten organisiert.

Für den Schulbereich sind eigene Werkstätten konzipiert worden.

 

"radio aufdraht" als Unternehmen

Die Programmschöpfung wird den Grundsätzen entsprechend ehrenamtlich erfolgen (Vereinstätigkeit). Die organisatorische Bassis, die Betreuung der Programmschöpfung, der Schulungsbereich wird durch bezahlte MitarbeiterInnen erfolgen.

Zum Betrieb des Senders "radio aufdraht" wird der Verein "radio aufdraht" eine Betriebsgesellschaft mit einer Reihe von unternehmerischen Aktivitäten gründen. Neben der oben erwähnten Veranstaltertätigkeit gibt es einen Club, Merchandising (Produktion und Handel von und mit geeigneten Artikeln) und Dienstleistungsangebote im Audiobereich.

An dieser Betriebsgesellschaft werden sich auch Institutionen, Organisationen und Kulturinitiativen und –vereine beteiligen können. Dies soll auch längerfristig die unabhängige Finanzierung und Abwicklung des Radiobetriebes sichern und Arbeitsplätze schaffen.

  wieda auffi

5.  Das geplante Sendegebiet

Der Antrag bezieht sich auf die im Grundversorgungsplan für Lokalradios im Anhang 3 RRG genannte Funkstelle Krems. Die Frequenz(en) wird (werden) derzeit von der Frequenzplanungsbehörde koordiniert. Angestrebt wird ein Sendegebiet, das die Stadt Krems und das Untere Kamptal erreicht. Folgende Orte/Gemeinden/Städte sollen mindestens erreicht werden: Plank am Kamp, Schönberg am Kamp, Langenlois, Hadersdorf am Kamp, Etsdorf, Krems. Nach Auskunft des Frequenzplanungsbüros (Dipl. Ing. Prull) wird dies frequenztechnisch möglich sein. Die Abstimmung des Senderstandortes und definitven Sendebereiches erfolgt in Verhandlungen mit der Frequenzplanungsbehörde. Erste diesbezügliche Gespräche finden derzeit statt. Mit einer Frequenzkoordination ist laut Aussage des Frequenzbüros noch bis Herbst 1998 zu rechnen. Liegen die technischen Daten vor, so kann noch im Jahr 1998 eine Lizenzerteilung durch die Regionalradiobehörde erfolgen.

 

wieder auffi