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Presseaussendung:
Defizite des ORF/Fernsehen bei entwicklungspolitischen Themen Die Berichterstattung des ORF/Fernsehen über entwicklungspolitische Themen und die sogenannte Dritte Welt entbehrt einer klaren Linie, ist unzureichend und hängt an sensationellen Ereignissen. Das ist das Ergebnis einer Studie, die von den Landesregierungen Niederösterreich und Steiermark finanziert wurde. Diese Analyse, die auf der systematischen Beobachtung der Nachrichten und Magazinsendungen in ORF, ARD und ZDF basiert, wurde am Dienstag in einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit vorgestellt. "Kriege, Krisen, Katastrophen" seien die vorherrschenden Anlässe für Berichte aus außereuropäischen Ländern, so Ralf Leonhard, der Autor der Studie. Das habe zur Folge, "daß sich uns diese Welt als Schauplatz von Chaos und Gewalt einprägt. Und das wiederum prägt unser Bild vom Ausländer, der ja nur zu uns kommen will, weil es bei ihm zu Hause so zugeht, wie es die Medien, speziell das Fernsehen, schildern." Fremdenhaß und Angst vor Ausländern, so Leonhard, ließen sich leichter schüren, "wenn die Menschen ständig durch solche Bilder beeinflußt werden." Der steiermärkische Landesrat a.D. Hermann Schaller führte aus, daß kirchliche und private NGOs in Österreich wertvolle Bildungsarbeit über entwicklungspolitische Themen leisten. Diese Bemühungen würden aber vom Fernsehen nicht unterstützt und das Wissen der Organisationen nicht genutzt. Es sei zu diskutieren, ob der ORF als öffentlich-rechtliche Anstalt seinem Bildungsauftrag gerecht werde. Die Studie zeigt auf, daß über Ereignisse oder Entwicklungen in Ländern des Südens Eigenberichte ohne Östsrreichbezug praktisch nicht produziert werden. Manche Länder kommen nur ins Fernsehen, wenn sie von Naturkatastrophen heimgesucht werden. Anita Scheiner von der Auslandsredaktion des Aktuellen Dienstes bestritt die Erkenntnisse der Studie nicht, führte aber Sachzwänge ins Treffen. Oft fielen Berichte über weit entfernte Länder zugunsten aktueller Meldungen aus Österreich oder Europa aus der Sendung. Ein Korrespondentennetz wie die deutschen öffentlich-rechtlichen Sender könne sich der ORF nicht leisten und Eigenberichte seien teuer. Sie erhofft sich jedoch von der Zusammenarbeit mit dem internationalen Kultursender Arte wichtige Impulse und griff das Angebot zum Informationsaustausch mit den NGOs auf. Heinz Gabler von der Sektion Entwicklungszusammenarbeit im Außenministerium wies auf die zahlreichen Dokumentationen hin, die mit Mitteln des Ministeriums finanziert wurden und bot an, in Zukunft verstärkt mit dem Fernsehen zu kooperieren. Die Quote dürfe nicht das einzige Kriterium sein, an dem der Erfolg einer Sendung gemessen wird. Die komplette Studie kann beim Autor angefordert werden: |